Garten gießen im Sommer: 5 Irrtümer, die Pflanzen kaputt machen

Garten gießen im Sommer klingt einfach, aber vieles davon geht daneben. Bei praller Sonne noch mehr Wasser, abends kurz den Schlauch drauf, und der Rasen wird trotzdem gelb.
Der Grund: Vieles, was sich beim Gießen richtig anfühlt, bewirkt das Gegenteil. Hier sind die fünf häufigsten Irrtümer und was wirklich hilft.
In diesem Artikel
01
„Mittags muss ich gießen, die Pflanzen sind doch durstig“
Klingt logisch. Wenn die Sonne knallt und die Blätter hängen, will man doch sofort helfen.
Was wirklich passiert: Die Wassertropfen auf den Blättern wirken wie kleine Brenngläser. Jeder Tropfen bündelt die Sonne und verbrennt das Blattgewebe. Dazu kommt: Der Boden ist aufgeheizt, das Wasser verdunstet zur Hälfte, bevor es überhaupt bei den Wurzeln ankommt.
Besser so
Gießen zwischen 5 und 7 Uhr morgens. Der Boden ist noch kühl, die Sonne niedrig, das Wasser versickert, und die Pflanzen können den Tag über trinken. Abends geht auch, aber nasses Laub über Nacht ist eine Einladung an Pilzkrankheiten und Schnecken.

Morgens gießen, direkt an die Wurzel
Gieß direkt an die Basis der Pflanze, nicht über die Blätter. So landet das Wasser bei den Wurzeln statt zu verdunsten, und nasses Laub über Nacht entfällt.
02
„Jeden Abend ein bisschen, dann reicht das“
Viele machen das: schnell den Rasensprenger für zehn Minuten an, einmal über die Beete gehen. Das fühlt sich an wie Versorgung. Ist aber gefährlicher als gar nicht gießen.
Was wirklich passiert: Wenig Wasser erreicht nur die obersten Zentimeter Boden. Die Wurzeln bleiben flach, weil sie sich nicht nach unten strecken müssen. Flache Wurzeln vertrocknen bei der nächsten Hitzewelle sofort. Du trainierst deine Pflanzen darauf, weich und empfindlich zu bleiben, statt sie abzuhärten.
Besser so
Lieber ein- bis zweimal die Woche richtig wässern. 15 bis 20 Liter pro Quadratmeter, das ist etwa so viel wie ein kurzer, kräftiger Regen. So sitzt die Feuchtigkeit 20 Zentimeter tief im Boden, die Wurzeln wachsen nach unten, und der Rasen hält Trockenphasen locker aus. Kontrolle: ein leeres Marmeladenglas unter den Rasensprenger stellen. Zwei Zentimeter Wasser drin heißt genug gegossen. Wie oft und wie viel ein Rasen genau braucht, steht im Detail unter Rasen richtig bewässern (Werbung).
03
„Mein Rasen ist tot, ich fange besser neu an“
Gelbe, strohige Halme, das sieht wirklich schlimm aus. Viele graben dann den Rasen um und säen neu.
Was wirklich passiert: Rasengräser haben einen klugen Schutzmechanismus. Bei Trockenheit ziehen sie Nährstoffe aus den Halmen in die Wurzeln zurück und stellen den Stoffwechsel runter, eine Art Sommerschlaf. Nur die Halme sind braun, die Wurzeln leben noch.
Besser so
Mach den Wurzeltest: ein kleines Stück Rasen mit dem Spaten 15 Zentimeter tief ausstechen und die Wurzeln anschauen. Sind sie hell und fest, lebt der Rasen. Dann durchdringend wässern (15 bis 20 Liter pro Quadratmeter) und zwei Wochen Geduld haben. Erste grüne Spitzen kommen meist nach sieben bis zehn Tagen zurück. Nur wenn die Wurzeln braun und morsch sind, ist es wirklich vorbei, und das ist seltener der Fall, als man denkt.
04
„Kübelpflanzen sind doch wie kleine Beete“
Blumenkästen und Töpfe auf der Terrasse bekommen die volle Sonne ab. Viele behandeln sie wie kleine Beete und wundern sich, dass die Petunien nach drei Tagen Hitze hängen.
Was wirklich passiert: Ein Blumenkasten hat vielleicht drei Liter Erde. Drei Liter speichern nichts. An heißen Tagen ist die Erde mittags durchgeheizt, abends komplett trocken. Selbst morgens gießen hilft dann nicht bis zum nächsten Morgen.
Besser so
Kübelpflanzen sind die einzige Ausnahme von der Regel „lieber selten, aber durchdringend“. Die brauchen an Hitzetagen wirklich täglich Wasser, bei kleinen Töpfen morgens und abends. Dabei nicht über die Blätter gießen, sondern direkt ins Substrat. Untersetzer helfen beim Speichern, aber lass das Wasser nicht dauerhaft stehen, sonst fault die Wurzel. Und nimm lieber größere Töpfe, die trocknen langsamer aus.
05
„Hitzegeschädigte Pflanzen düngen, dann erholen sie sich“
Nach einer Hitzewelle düngen viele jetzt erst recht, damit die Pflanzen wieder Kraft bekommen.
Was wirklich passiert: Stickstoff im Hitzestress treibt einen weichen, wasserreichen Austrieb, der in der nächsten Sonnenphase sofort verbrennt. Die Pflanzen wachsen quasi in den Tod.
Besser so
Nach einer Hitzewelle mindestens zwei Wochen warten, bevor du düngst. Erst muss der Boden wieder kühl sein und die Pflanzen müssen sich stabilisieren. Dann zurückhaltend düngen, bei Tomaten mit Kaliumbetonung, bei Rosen mit ausgewogenem Langzeitdünger. Was sofort hilft: mulchen. Fünf bis acht Zentimeter Rindenmulch, Stroh oder angetrockneter Grasschnitt auf die Beete. Das puffert die Bodentemperatur, hält die Feuchtigkeit und senkt die Verdunstung um bis zu 80 Prozent.

Mulchen hält die Feuchtigkeit im Boden
Eine Schicht aus Rinde oder Stroh beschattet die Erde und bremst die Verdunstung. Der Boden bleibt länger feucht, und das Gießwasser hält spürbar länger vor.
Was in den Foren immer wieder auftaucht
In fast jedem Hitzesommer tauchen in Gartenforen dieselben Fragen auf. Drei Dinge kommen immer wieder.
Der Boden nimmt kein Wasser mehr an
Wenn der Boden knochentrocken ist, perlt Wasser einfach ab, statt einzudringen, oft nach drei Wochen ohne Regen. Die Lösung: in Intervallen gießen, zehn Minuten wässern, 15 Minuten Pause, nochmal zehn Minuten. So nimmt der Boden das Wasser auf, statt es wegzuschwemmen.
Brauner Streifen an der Terrasse
Der Rasen direkt neben der Terrasse wird braun, der Rest bleibt grün? Beton und Terrassensteine saugen Wasser wie ein Schwamm auf, heizen sich auf und entziehen dem Rasen die Feuchtigkeit. Eine Kunststoff-Kante zwischen Rasen und Pflaster löst das in einer Saison.
Bewässerungssysteme: auf zwei Dinge achten
Tropfschläuche und Mikro-Tropfsysteme sparen viel Wasser und Zeit. Erstens setzt Kalk den Tropfern zu: hartes Wasser lässt sie mit der Zeit zuwachsen. Darum lohnen sich wartbare Tropfer, die sich zum Reinigen zerlegen lassen, und ein vorgeschalteter Filter. Zweitens liest man in einigen Foren, dass die Montage mancher Systeme anfangs etwas fummelig sein kann, mit etwas Geduld beim ersten Aufbau ist das aber schnell erledigt. Welches System zu welcher Fläche passt, steht im Detail unter Bewässerungssystem für den Garten (Werbung).
Pflanzen richtig gießen: die drei wichtigsten Regeln
- Morgens gießen oder gar nicht. Zwischen 5 und 7 Uhr, direkt an die Wurzel, nicht über die Blätter.
- Selten und richtig statt täglich und oberflächlich. 15 bis 20 Liter pro Quadratmeter, ein- bis zweimal die Woche, das ist die Menge, die wirklich ankommt.
- Mulchen. Die einfachste, billigste und wirksamste Maßnahme gegen Austrocknung. Fünf Zentimeter Mulch auf dem Beet verdoppeln die Zeit, die dein Garten ohne Wasser durchhält.